Entscheidend ist nicht die Frage: „Habe ich Unterlagen?“, sondern: „Erfüllt jedes Dokument tatsächlich seinen Zweck?“
Ein Vertrag kann deine Einwilligung dokumentieren, ohne zu regeln, wer nach deinem Tod über deinen Körper verfügen darf. Eine Patientenverfügung kann festlegen, welche medizinischen Behandlungen du wünschst, ohne zugleich den Umgang mit deinem Körper nach dem Tod zu regeln.
Ein Testament kann einen Willen dokumentieren, ohne Geld bereitzustellen. Auch bei einer bestehenden Finanzierung können der Begünstigte, die Höhe der bereitgestellten Mittel oder der Auszahlungsweg falsch festgelegt sein.
Eine verlässliche Checkliste richtet sich deshalb danach, welchen Zweck die einzelnen Dokumente erfüllen müssen. Jedes Dokument sollte bestimmte Risiken abdecken; alle Unterlagen müssen aufeinander abgestimmt und nach dem jeweils geltenden Recht wirksam sein.

Es gibt keine universelle Fünf-Dokumente-Regel
Gleich bezeichnete Dokumente können je nach Land rechtlich etwas anderes bedeuten. Welche rechtliche Wirkung eine Patientenverfügung, eine Vollmacht, eine Organspendeerklärung oder ein Testament hat, hängt von der jeweiligen Rechtsordnung ab.
Entscheidend ist, welchen Zweck die Dokumente erfüllen müssen:
- das Vertragsverhältnis mit dem Anbieter regeln und deine Einwilligung nach entsprechender Aufklärung dokumentieren;
- rechtswirksam festlegen, was nach dem Tod mit deinem Körper geschehen soll oder wie er für eine Körperspende übergeben werden darf;
- jemanden bevollmächtigen, zu handeln, wenn du selbst es nicht kannst;
- die Zustimmung zur langfristigen Lagerung und zu den dafür erforderlichen Maßnahmen festhalten;
- sicherstellen, dass das Geld zum benötigten Zeitpunkt verfügbar ist;
- sicherstellen, dass alle Unterlagen im Notfall schnell gefunden werden.
Ein einzelnes Dokument kann mehrere dieser Aufgaben erfüllen. Für eine Aufgabe können auch mehrere Dokumente nötig sein.
1. Der Anbietervertrag
Der Biostase-Vertrag regelt, welche Leistungen der Anbieter erbringt, wer wofür verantwortlich ist, worin du einwilligst und welche Bedingungen gelten.
Laut der aktuellen Übersicht der Mitgliedsunterlagen von Tomorrow.bio gehören zum Biostase-Vertrag ein Support and Research Agreement und ein Testament zur Körperspende.
Dieser Vertrag ist notwendig, damit Tomorrow.bio tätig werden kann. Aus dem Vertrag allein ergeben sich jedoch nicht automatisch verbindliche Vorgaben für Krankenhäuser, Angehörige oder Behörden.
Wer den Leichnam freigeben und über ihn verfügen darf, richtet sich weiterhin nach dem geltenden Recht; auch eine rechtsmedizinische Untersuchung kann dabei eine Rolle spielen. Siehe den rechtlichen Rahmen in den USA.
2. Die Verfügung über den Körper oder die Erklärung zur Körperspende
Dieses Dokument regelt, wem dein Körper nach dem Tod zu welchem Zweck und nach welchem rechtlichen Verfahren übergeben werden darf.
Welche Form das Dokument haben muss, hängt vom geltenden Recht und davon ab, wie der Anbieter organisiert ist. Die bloße Erklärung, dass du eine kryonische Konservierung wünschst, erfüllt möglicherweise nicht die gesetzlichen Anforderungen.
Section 7100.1 des California Health and Safety Code zeigt, wie genau solche Anweisungen formuliert sein müssen: Schriftliche Anweisungen zum Umgang mit dem Körper nach dem Tod müssen eindeutig und hinreichend vollständig sein; zudem muss die Bezahlung durch eine verbindliche Vereinbarung gesichert sein.
In anderen US-Bundesstaaten gelten andere Formvorschriften sowie andere Regeln dazu, wer den Körper erhalten darf und wer vorrangig entscheidungsbefugt ist. Ein mit dem dort geltenden Recht vertrauter Anwalt sollte prüfen, was konkret vorgesehen ist und ob das Dokument dafür ausreicht.
3. Vollmacht und Patientenverfügung
In einer Patientenverfügung hältst du fest, welche medizinischen Maßnahmen du wünschst oder ablehnst, falls du deinen Willen nicht mehr selbst äußern kannst. Solche Festlegungen können auch dabei helfen, die Versorgung am Lebensende abzustimmen und die zuständigen Personen rechtzeitig zu benachrichtigen.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Patientenverfügung auch den Umgang mit deinem Körper nach dem Tod regelt. Befugnisse nach dem Tod hängen vom anwendbaren Recht und vom genauen Wortlaut des Dokuments ab.
Section 4683 des California Probate Code ist ein anschauliches Beispiel: Innerhalb der im Dokument festgelegten Grenzen darf ein Bevollmächtigter nach dem Tod über eine Organspende, eine Obduktion und den weiteren Umgang mit dem Leichnam entscheiden.
Diese ausdrückliche gesetzliche Regelung lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Rechtsordnungen übertragen. Die Bezeichnung „Patientenverfügung“ allein sagt daher nichts darüber aus, welche Befugnisse nach dem Tod bestehen.
Gib dem Bevollmächtigten und dem behandelnden Arzt gegebenenfalls eine Kopie der für sie wichtigen Unterlagen. Stelle sicher, dass der Anbieter den Bevollmächtigten erreichen kann und umgekehrt.
4. Der Vertrag zur langfristigen Lagerung
Die Konservierung und die langfristige Lagerung sind gesonderte vertragliche Leistungen. Der Lagerungsvertrag legt fest, wer die langfristige Lagerung übernimmt, welche Maßnahmen dabei zulässig sind und wie sie finanziert werden.
Tomorrow.bio veröffentlicht ein eigenes Long Term Storage Agreement, das die Patient Care Foundation dazu ermächtigt, die fortlaufende Lagerung sicherzustellen und notwendige Anpassungen bei der Konservierung vorzunehmen.
Diese Trennung ist wichtig, weil nach Abschluss der Konservierung eine Lagerung von unbestimmter Dauer folgt. Der Vertrag muss auch nach der Übergabe an die für die Lagerung zuständige Einrichtung wirksam bleiben.
Diese vertragliche Absicherung ist auch dann wichtig, wenn das Betreiberunternehmen seine Tätigkeit einstellt.
5. Der Nachweis der Finanzierung
Die Finanzierungsunterlagen müssen mehr belegen als die Tatsache, dass Geld vorhanden ist. Aus ihnen muss hervorgehen, dass der vorgesehene Empfänger rechtzeitig den erforderlichen Betrag erhalten kann, sobald die vertraglich vereinbarte Zahlung fällig ist.
Bei einer Versicherung sollte geprüft werden, ob der Vertrag noch besteht, wer versichert und wer bezugsberechtigt ist, welche Versicherungssumme in welcher Währung vereinbart wurde und welche Leistungsausschlüsse gelten.
Bei Trusts, Vorauszahlungen oder einer Finanzierung aus dem Nachlass sollte geprüft werden, wer über das Geld verfügen darf und welche Nachweise für die Freigabe erforderlich sind. Eine unverbindliche Zusage aus der Familie bietet keine vergleichbare Absicherung.
Die aktuellen Vorgaben von Tomorrow.bio stehen in der Richtlinie zur Mindestfinanzierung und im Formular für alternative Finanzierungsformen. Maßgeblich ist die zum jeweiligen Zeitpunkt auf der Website veröffentlichte Fassung; verlasse dich nicht auf frühere Vorgaben, die du im Gedächtnis hast.
Weitere Informationen findest du in den Beiträgen zu Finanzierungsmöglichkeiten und zur Organisation deiner Finanzierung.
6. Das Testament
Ein Testament kann deinen Willen bekräftigen, die dafür nötigen Regelungen für deinen Nachlass festhalten und Streit darüber vorbeugen, was du gewollt hast. Ein Testament legt jedoch nicht in jeder Rechtsordnung verbindlich fest, was mit deinem Körper nach dem Tod geschehen soll.
Für Kalifornien enthält Section 7100.1 eine ausdrückliche Regelung: Testamentarische Anweisungen zum Umgang mit dem Körper nach dem Tod sind sofort umzusetzen, noch bevor das Nachlassverfahren beginnt.
Diese Regelung gilt speziell im US-Bundesstaat Kalifornien. Man sollte sie nicht ungeprüft auf andere Rechtsordnungen übertragen.
Tomorrow.bio bittet Mitglieder, die dessen Testamentsvorlage verwenden, derzeit darum, das handschriftliche Testament oder ein Testament mit notariell beglaubigter Unterschrift im Original einzusenden. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorgaben des Anbieters und die örtlichen Formvorschriften.
Die Notfallübersicht muss im Ernstfall helfen
Auch ein einwandfreies Dokument hilft in den entscheidenden Stunden nicht, wenn niemand es findet.
Bewahre eine einseitige Notfallübersicht auf mit der Telefonnummer des Anbieters, den Mitgliedsdaten, dem Kontakt zum Bevollmächtigten, dem Ansprechpartner für die Finanzierung und dem genauen Aufbewahrungsort der unterschriebenen Originale.
Passwörter oder unnötige medizinische Daten gehören nicht auf eine Karte im Portemonnaie. Die Notfallkarte soll die wichtigsten Kontakte und Aufbewahrungsorte nennen; die vollständigen Unterlagen gehören an einen sicheren Ort.
Bewahre Originale so auf, wie es das geltende Recht verlangt. Gib aktuelle Kopien gezielt an den Anbieter, den Bevollmächtigten, deinen Anwalt und die einbezogenen Familienangehörigen weiter.
Alle Unterlagen im Zusammenhang prüfen
Prüfe die Unterlagen erneut, wenn nach einem Umzug anderes Recht gilt, du die Versicherung wechselst, sich deine familiären Verhältnisse oder dein Name ändern, du jemand anderen bevollmächtigst oder der Anbieter seine Formulare ändert.
Eine jährliche Kontrolle ist ein sinnvoller Richtwert. Dabei sollte geprüft werden:
- ob Namen, Adressen und Kontaktdaten aktuell sind;
- ob die örtlichen Anforderungen an Unterschriften, die Mitwirkung von Zeugen und Beglaubigungen erfüllt sind;
- ob die Angaben zum Anbieter und zum vorgesehenen Empfänger noch stimmen;
- ob sich die Dokumente nicht widersprechen;
- ob die Finanzierung weiterhin gesichert ist und die vorgesehenen Mittel ausreichen;
- ob die richtigen Personen die unterschriebenen Dokumente rasch beschaffen können.
Vorlagen bieten eine Grundlage, ersetzen aber keine Prüfung nach dem für dich geltenden Recht. Lass alle Dokumente im Zusammenhang von einem Anwalt prüfen, der an deinem Wohnort zugelassen ist.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung.
Kurz gesagt: Ein tragfähiger Biostase-Plan braucht aktuelle Vertragsunterlagen, Finanzierungsnachweise, Verfügungen über deinen Körper und eine Notfallübersicht, die befugte Personen schnell finden können. Zusätzlich kann eine Prüfung nach dem vor Ort geltenden Recht nötig sein.
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