Die Langzeitlagerung wirkt wie der einfachste Teil der Biostase. Sobald ein Patient auf kryogene Temperaturen abgekühlt ist, verlangsamen sich biologische Abbauprozesse so stark, dass der akute Zeitdruck entfällt.
Danach entfällt zwar der unmittelbare Zeitdruck, doch die Anforderungen bestehen über einen wesentlich längeren Zeitraum fort: Der Patient darf sich nicht erwärmen, seine Identität und die zugehörigen Unterlagen müssen gesichert und die laufenden Kosten gedeckt sein. Zudem müssen die beteiligten Institutionen dauerhaft auf ihren Zweck ausgerichtet bleiben.
Eine glaubwürdige Langzeitlagerung erfordert deshalb mehr als einen gekühlten Behälter. Dazu gehören ein geeignetes Gebäude, festgelegte Abläufe, ausreichendes Kapital und eine belastbare Organisationsstruktur, die auch bei personellen Wechseln oder Veränderungen im Trägerunternehmen Bestand hat.
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Die Anlage gehört der European Biostasis Foundation
Tomorrow.bio besitzt die Anlage nicht, in der die von dem Unternehmen betreuten Patienten gelagert werden.
Die European Biostasis Foundation, kurz EBF, ist eine gemeinnützige Schweizer Stiftung mit Sitz in Rafz im Kanton Zürich.
Die EBF besitzt und betreibt die Anlage. Ihr gehören sowohl das Gebäude als auch das Grundstück, sodass sie nicht von einem gewerblichen Vermieter abhängig ist.
Fertiggestellt wurde das Gebäude im März 2022. Es umfasst eine Garage für das Einsatzfahrzeug, einen medizinischen Bereich, ein Labor, Geräte für die Bildgebung, Büros und eine große Lagerhalle.
Nach Angaben von Tomorrow.bio werden die Patienten in einem unterirdischen Stahlbetonbereich der Anlage gelagert. So beschreibt es die veröffentlichte Organisationsstruktur.
Die Aufgaben der EBF gehen weit über die Bereitstellung von Lagerraum hinaus. Zum Stiftungszweck gehören Forschung, Entwicklung, Anwendung und Lehre im Bereich der Biostase. Hinzu kommen die Lagerung von Gewebe und Organen sowie die Erforschung molekulartechnischer Methoden und möglicher Verfahren zur Zellreparatur.
Drei Organisationen mit getrennten Aufgaben
Die Organisationsstruktur trennt die zeitkritische Durchführung der Kryokonservierung von der langfristigen Lagerung der Patienten. Dadurch lassen sich die Kryokonservierungsverfahren weiterentwickeln, ohne die Zuständigkeit für die Langzeitlagerung zu verändern.
Tomorrow Biostasis GmbH
Tomorrow.bio betreut die Mitgliedschaften und organisiert den Bereitschaftsdienst, die Stabilisierung, die Perfusion mit Kryoprotektiva sowie den Transport in die Schweiz.
Tomorrow Biostasis ist das operativ tätige Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Diese Aufgaben erfordern Personal, Fahrzeuge, medizinische Ausrüstung und die Möglichkeit, Abläufe an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen.
Patient Care Foundation
Die Schweizer Patient Care Foundation, kurz PCF, verwaltet treuhänderisch das Kapital, das für die weitere Versorgung jedes kryokonservierten Patienten vorgesehen ist.
Die PCF beauftragt die EBF mit der Lagerung. So bleibt das für die Patientenversorgung bestimmte Kapital von dem Unternehmen getrennt, das neue Kryokonservierungen durchführt.
European Biostasis Foundation
Die EBF besitzt das Gebäude, wartet die kryogene Infrastruktur, lagert die Patienten und betreibt Forschung.
Diese Trennung ist entscheidend: Ändern sich die Eigentumsverhältnisse, die Strategie oder die wirtschaftliche Lage des Betriebsunternehmens, sind davon weder die Anlage noch das für die Patientenversorgung vorgesehene Kapital automatisch betroffen.
Dadurch sinkt das Risiko, dass Probleme bei einer Organisation zugleich die beiden anderen handlungsunfähig machen. Dauerhaften Bestand garantiert die Trennung jedoch nicht.
Warum die Wahl auf Rafz fiel
Bei der Planung einer langfristig genutzten Infrastruktur darf nicht allein die heutige Zweckmäßigkeit den Ausschlag geben. Die Standortwahl muss Risiken einbeziehen, die in einem einzelnen Jahr selten sind, über Jahrzehnte aber ins Gewicht fallen.
Die EBF hat in ihrer Bewertung des Standorts Zugänglichkeit, Sicherheit, Erweiterbarkeit, Geologie und langfristige Stabilität berücksichtigt.
Rafz liegt nahe der deutschen Grenze und ist gut an das Straßen- und Schienennetz angebunden. Zum Flughafen Zürich sind es etwa 30 bis 40 Minuten.
Die gute Erreichbarkeit war bereits während des Baus wichtig. Sie erleichtert auch die Einlieferung von Patienten und den laufenden Betrieb. Personal, Geräte, Fachfirmen und Lieferungen von flüssigem Stickstoff können den Standort über die vorhandenen Verkehrswege gut erreichen.
Nach Angaben der EBF liegt das Grundstück oberhalb der umliegenden Gewässer, der Untergrund besteht aus durchlässigem Kies, und das Grundwasser steht mehrere Dutzend Meter unter der Oberfläche.
Im Kanton Zürich ist das Erdbebenrisiko vergleichsweise gering. Die EBF verweist außerdem darauf, dass kein Kernkraftwerk in der Nähe steht und die Kriminalitätsrate vor Ort niedrig ist.
Diese Faktoren verringern bestimmte Risiken, können sie jedoch nicht vollständig ausschließen.
Was geschieht, wenn ein Patient in Rafz ankommt
Bei der Ankunft müssen der Patient und sämtliche Unterlagen lückenlos übergeben werden. Zugleich muss eindeutig feststehen, wer fortan für seine Versorgung verantwortlich ist. Die Übergabe ist daher weit mehr als ein gewöhnlicher Transportvorgang.
Im Regelfall wird der Patient am Einsatzort mit Kryoprotektiva behandelt und anschließend auf Trockeneis nach Rafz transportiert. Je nach Umständen kann ein angepasstes Konservierungsverfahren erforderlich sein.
Bei jeder Übergabe muss die Identität eindeutig festgestellt sein. Unterlagen und Falldokumentation müssen dem jeweiligen Patienten zweifelsfrei zugeordnet bleiben.
In der Anlage wird der Patient computergesteuert von etwa −80 °C auf die Temperatur des flüssigen Stickstoffs abgekühlt.
Mehrere Thermoelemente erfassen dabei die Temperaturen im Körper, während das Steuerungssystem die Temperatur in der Kühlkammer regelt.
Zunächst wird der Patient zügig bis in den Bereich der Glasübergangstemperatur abgekühlt. Nach einer Haltephase, in der mechanische Spannungen verringert werden sollen, wird der Patient mit etwa 1 °C pro Stunde weiter auf −196 °C abgekühlt.
Nach der Abkühlung führt Tomorrow.bio eine standardisierte CT-Aufnahme durch, während der Patient in flüssigem Stickstoff bleibt.
Die Aufnahme gibt näherungsweise Aufschluss darüber, wie sich die Kryoprotektiva im Körper verteilt haben. Außerdem macht sie Eisbildung, größere Risse, Gaseinschlüsse und andere makroskopische Befunde sichtbar, bevor der Patient endgültig eingelagert wird.
Der vollständige Temperaturverlauf und die CT-Aufnahme werden in der Qualitätsdokumentation zu diesem Fall festgehalten.
Der Betrieb der Anlage: Stickstoff, Überwachung und Wartung
Mit einer einmaligen Befüllung des Dewars ist es nicht getan.
Das Personal muss Füllstände, Nachfüllvorgänge, Temperaturen, den Zustand der Behälter, die Position der Patienten und jede für die Lagerung relevante Umlagerung dokumentieren.
Eine lückenlose Betriebsdokumentation erfasst außerdem Alarme, Kontrollen, Wartungsarbeiten, Sensorkalibrierungen und sämtliche Abweichungen vom regulären Betrieb.
Der Umgang mit flüssigem Stickstoff birgt besondere Arbeitsschutzrisiken. Verdampfender Stickstoff verdrängt Sauerstoff. Belüftung, Sauerstoffmessung und ein kontrollierter Zugang gehören deshalb zur Grundausstattung jeder kryogenen Anlage, in der Menschen arbeiten.
Auch das Bewegen und Umsetzen der Dewars erfordert technisches Fachwissen. Zum Bewegen der hohen, mehrere Tonnen schweren Behälter sind geeignete Hebezeuge und genau festgelegte Arbeitsabläufe erforderlich.
Der Tätigkeitsbericht 2024 der EBF nennt eine neue Krananlage, den Ausbau der automatischen Stickstoffbefüllung, zusätzliche Dewars und Umbauten im Inneren der Anlage.
Diese Arbeiten zeigen, dass Planung und Ausbau der Lageranlage mit der Inbetriebnahme nicht abgeschlossen sind. Kapazitäten, Arbeitsabläufe und Versorgungssysteme müssen fortlaufend angepasst werden.
Auf dem Außengelände steht zudem ein 10.000-Liter-Tank für flüssigen Stickstoff. Aus diesem Vorrat werden die Dewars regelmäßig mit flüssigem Stickstoff nachgefüllt.
Das automatische Befüllungssystem überwacht die Füllstände und füllt bei Bedarf selbstständig flüssigen Stickstoff nach. Die regelmäßigen Kontrollgänge des Personals bleiben davon unberührt.
Das verringert den Arbeitsaufwand und das Risiko, dass verspätetes Nachfüllen kritische Folgen hat.
Die Automatisierung schafft jedoch neue potenzielle Fehlerquellen, etwa bei Sensoren, Ventilen, Steuergeräten, Pumpen, Stromversorgung und Software.
Zu einem ausfallsicheren System gehören deshalb weiterhin Kontrollgänge, Alarmmeldungen und die Möglichkeit, die Anlage manuell zu bedienen. Die Automatik soll die Reaktionszeit verkürzen, darf aber nicht die einzige Möglichkeit zum Befüllen eines Behälters sein.
Die EBF berichtet in ihren Veröffentlichungen über den Ausbau des automatischen Befüllsystems. Wie das System im Einzelnen gegen Ausfälle abgesichert ist und welche Alarme vorgesehen sind, geht aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht vollständig hervor.
Bei der Bewertung ist daher zu berücksichtigen, dass die öffentlich zugänglichen Informationen unvollständig sind. Die dokumentierte Erweiterung zeigt zwar, dass diese Technik vorhanden ist. Über nicht näher beschriebene Sicherungs- und Redundanzsysteme lässt sich daraus jedoch nichts ableiten.
Was Unabhängigkeit vom Stromnetz genau bedeutet
Oft heißt es, die Lagerung in flüssigem Stickstoff brauche keinen Strom. Um die niedrige Temperatur aufrechtzuerhalten, ist tatsächlich weitgehend kein Strom erforderlich.
Es bedeutet aber nicht, dass die Anlage ohne elektrische Systeme auskommt oder der Betrieb ohne Personal und Nachschub beliebig lange weiterläuft.
Eine länger andauernde regionale Störung könnte Alarmsysteme, Kommunikation, Lieferungen, den Zugang zur Anlage und die Technik zum Umfüllen des Stickstoffs beeinträchtigen.
Genauer gesagt bleibt die Kühlung der Behälter bei einem Stromausfall zunächst erhalten, anders als bei einer elektrisch betriebenen Tiefkühlanlage.
Der Stickstoffvorrat und die Haltezeit der Dewars verschaffen dem Personal Zeit, um den regulären Betrieb wiederherzustellen.
Die EBF ist auch eine Forschungseinrichtung
Die EBF bündelt Lagerung und Forschung an einem Standort, da Erkenntnisse aus dem Lagerbetrieb in die Weiterentwicklung der Konservierungsverfahren einfließen können.
In ihrem Tätigkeitsbericht für 2024 nennt die EBF Ganzkörper-CT-Aufnahmen bei kryogenen Temperaturen und den Ausbau der zugehörigen Auswertungsmöglichkeiten.
Laut Tätigkeitsbericht 2023 unterstützte die EBF Forschung zur Blut-Hirn-Schranke, zur Lagerung bei kryogenen Zwischentemperaturen und zur volumetrischen Erwärmung mit Ultraschall.
In den medizinischen Arbeitsbereichen und im Labor am Lagerstandort lassen sich Geräte entwickeln und prüfen sowie einzelne Kryokonservierungen auswerten.
Die räumliche Nähe bedeutet jedoch nicht, dass Versuche an Patienten zulässig wären. Proben dürfen nur entnommen und Eingriffe nur vorgenommen werden, wenn dafür eine vertragliche Grundlage und eine wirksame Einwilligung vorliegen und die vorgesehenen Aufsichtsverfahren eingehalten werden.
Der gemeinsame Standort erleichtert den Austausch zwischen Betrieb und Forschung: Auffälligkeiten bei einzelnen Kryokonservierungen können neue Forschungsfragen aufwerfen, während gesicherte Erkenntnisse in verbesserte Verfahren einfließen.
Warum CT-Aufnahmen am Lagerstandort sinnvoll sind
Eine CT-Aufnahme nach Abschluss der Abkühlung liefert Informationen, die sich aus den während der Perfusion erhobenen Messwerten nicht gewinnen lassen.
Druck, Durchfluss und Brechungsindex liefern Informationen über den Verlauf der Perfusion. Die CT lässt erkennen, wie sich die Kryoprotektiva im Körper verteilt haben.
Um die Aufnahmen vergleichbar zu machen, untersucht Tomorrow.bio alle Patienten unter denselben Bedingungen bei etwa −196 °C.
Die konstante Temperatur schließt eine wichtige Störgröße aus, wenn die Fälle anhand der gemessenen Dichtewerte verglichen werden.
Zellmembranen oder Synapsen kann die CT dennoch nicht auflösen. Sie liefert makroskopische Aufnahmen des gesamten Körpers und kann elektronenmikroskopische Untersuchungen von Gewebeproben ergänzen, sofern dafür eine wirksame Einwilligung des Patienten vorliegt.
Die Bildgebung ist deshalb kein bloßes technisches Beiwerk. Sie ermöglicht es, die Qualität der Kryokonservierung zu beurteilen und die Befunde für die Weiterentwicklung des Verfahrens zu nutzen.
Der finanzielle Aufbau
Physikalische Stabilität allein genügt nicht. Auch Stickstoff, Personal, Versicherungen, Wartung und später notwendige Ersatzgeräte müssen dauerhaft finanziert werden.
Nach dem Modell von Tomorrow.bio wird das für die Patientenversorgung vorgesehene Kapital an die PCF übertragen. Angehörige müssen daher nicht fortlaufend für die Lagerung aufkommen.
Die PCF legt dieses Kapital an, verwaltet es und vergütet daraus die Lagerleistungen der EBF.
So bleibt das für bereits kryokonservierte Patienten vorgesehene Vermögen von den Finanzen des Betriebsunternehmens getrennt.
Das Schweizer Rechnungslegungsrecht verpflichtet die PCF und die EBF jeweils zur Erstellung eines Jahresabschlusses. Beide Stiftungen veröffentlichen ihre Abschlüsse jährlich.
Aus den Abschlüssen lassen sich Vermögen, Verbindlichkeiten, Erträge, Aufwendungen und die Entwicklung der Finanzlage über mehrere Jahre nachvollziehen.
Ob das Modell langfristig trägt, hängt von den Erträgen der Kapitalanlagen, der Kostenentwicklung und einer dauerhaft verantwortungsvollen Verwaltung ab. Wegen dieser Unsicherheiten sind eine vorsichtige Vermögensverwaltung und regelmäßige Überprüfungen erforderlich.
Keine Institution kann heute empirisch belegen, dass ihre Finanzierung über Jahrhunderte gesichert sein wird. Sie kann jedoch ihre Annahmen offenlegen und durch rechtliche sowie organisatorische Vorkehrungen die zweckwidrige Verwendung gebundener Mittel erschweren.
Was das Schweizer Stiftungsrecht beiträgt
Die EBF ist eine Stiftung im Sinne von Art. 80 ff. ZGB.
Ihre veröffentlichten Statuten binden das Vermögen an den gemeinnützigen Zweck und verlangen eine sorgfältige, breit gestreute Vermögensanlage.
Sie schreiben eine unabhängige Revisionsstelle vor. Der Stiftungsrat legt der Schweizer Aufsichtsbehörde jedes Jahr die Rechnung, den Revisionsbericht und den Tätigkeitsbericht vor.
Wird die EBF aufgelöst, fällt das verbleibende Vermögen an eine oder mehrere steuerbefreite Schweizer Organisationen mit gleichem oder eng verwandtem Zweck.
Das Vermögen kann nicht an die Gründer zurückfallen.
Das Organisationsreglement der EBF regelt Mehrheiten bei Abstimmungen, Interessenkonflikte, Finanzkompetenzen, Sitzungen und Berichtspflichten.
Solche Regeln erschweren es, vom Stiftungszweck abzuweichen oder Mittel zweckwidrig zu verwenden. Sie beseitigen jedoch nicht die Risiken einer schlechten Führung und können nicht garantieren, dass künftige Amtsträger verantwortungsvoll entscheiden.
Was passiert, wenn es Tomorrow.bio nicht mehr gibt
Sollte Tomorrow Biostasis den Geschäftsbetrieb einstellen, hätte dies gravierende Folgen für künftige Bereitschaftseinsätze und Kryokonservierungen. Das Gebäude und die Dewars gehörten weiterhin der EBF; auch die Stiftung bestünde rechtlich fort.
Für die weitere Versorgung bereits eingelagerter Patienten sind PCF und EBF zuständig. Das für diese Patienten vorgesehene Kapital und die zugehörigen Lagerverträge sind vom übrigen Vermögen der Tomorrow Biostasis GmbH getrennt.
Die Widerstandsfähigkeit des Modells beruht auf dieser Trennung und nicht auf der Annahme, dass das derzeitige Unternehmen dauerhaft unverändert fortbesteht.
Die weitere Versorgung wäre dennoch nur gesichert, wenn PCF und EBF qualifiziertes Personal, verlässliche Lieferbeziehungen, eine vollständige Dokumentation und eine handlungsfähige Leitung aufrechterhalten könnten.
Eine ausführliche Analyse dieser Strukturen bietet der Beitrag „Was passiert, wenn Tomorrow.bio den Betrieb einstellt?“.
Was sich heute überprüfen lässt
Ob eine Einrichtung über Jahrhunderte bestehen wird, lässt sich heute nicht überprüfen. Die heutigen Strukturen und die bisherige Praxis dagegen schon.
Die EBF veröffentlicht Statuten, Organisationsreglement, die Zusammensetzung des Stiftungsrats, Tätigkeitsberichte und Revisionsberichte. Die PCF veröffentlicht ebenfalls ihren Jahresabschluss.
Die Website zur Anlage informiert über Standort, Bauweise, Eigentumsverhältnisse und Funktionsbereiche. Die Jahresberichte dokumentieren den Lagerbetrieb, den Ausbau der Infrastruktur und die geförderten Forschungsprojekte.
Tomorrow.bio veröffentlicht seine Organisationsstruktur, Verfahrensbeschreibungen und ausgewählte Qualitätsdaten zu einzelnen Fällen.
Diese Unterlagen belegen keinen unbegrenzten Fortbestand. Sie ermöglichen aber eine Einschätzung, ob die beschriebene Infrastruktur tatsächlich vorhanden und in Betrieb ist oder lediglich versprochen wird.
Was sich über die langfristige Lagerung seriös sagen lässt
Bei −196 °C laufen biologisch bedeutsame Veränderungen nach heutigem Wissen extrem langsam ab. Unter diesen Bedingungen erscheint eine sehr lange Lagerung aus physikalischer Sicht plausibel.
Die größere Unsicherheit betrifft die institutionellen Voraussetzungen: Können Personal, Finanzierung, Lieferketten und Leitung die erforderlichen Lagerbedingungen dauerhaft aufrechterhalten?
Um diese Risiken zu begrenzen, setzt die EBF auf passive kryogene Lagerung, eigene Infrastruktur, eine gesonderte Finanzierung der Patientenversorgung, die Schweizer Stiftungsaufsicht, öffentliche Berichte und eine kontinuierliche technische Weiterentwicklung.
Damit hat die EBF gute Voraussetzungen für den langfristigen Betrieb geschaffen. Eine Garantie für eine spätere Wiederbelebung oder den dauerhaften Fortbestand der beteiligten Institutionen bietet das Modell jedoch nicht.
Kurz gesagt: Die Kühlung mit flüssigem Stickstoff erfolgt passiv. Ein verlässlicher Langzeitbetrieb setzt jedoch Überwachung, Dokumentation, Finanzierung, Aufsicht und geschultes Personal voraus.
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