Die Kryonik hat ein eigenes Fachvokabular. Viele Unklarheiten in diesem Bereich entstehen schlicht dadurch, dass Begriffe uneinheitlich verwendet werden. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe kurz, damit du die übrigen Beiträge im Codex leichter lesen kannst. Bei Begriffen, die in einem eigenen Artikel ausführlicher behandelt werden, findest du jeweils einen weiterführenden Link.

Biostase
Der Zustand, in dem biologische Prozesse vollständig ruhen und die Struktur erhalten bleibt. Im Zusammenhang mit Kryonik bezeichnet Biostase die Konservierung von Körper und Gehirn nach der Todesfeststellung mit dem Ziel, weiteren Zerfall möglichst zu verhindern. Mehr dazu: Biostase ausführlich erklärt.
Kryonik
Ein Verfahren, bei dem der Körper eines Menschen unmittelbar nach der Feststellung des Todes auf sehr niedrige Temperaturen gebracht und dauerhaft konserviert wird. Dahinter steht die Hoffnung, dass künftige medizinische Verfahren die entstandenen Schäden beheben und eine Wiederbelebung ermöglichen könnten. Mehr dazu: Wie sich die Kryonik von Kryogenik und Kryobiologie unterscheidet.
Kryogenik
Ein Teilgebiet der Physik und Technik, das sich mit der Erzeugung sehr niedriger Temperaturen und dem Verhalten von Materialien unter diesen Bedingungen befasst. Gemeint sind meist Temperaturen unterhalb von −150 °C. Sie ist daher von der biologisch ausgerichteten Kryobiologie zu unterscheiden.
Kryobiologie
Die Kryobiologie untersucht, wie lebende Systeme auf sehr niedrige Temperaturen reagieren und wie sich Zellen und Gewebe vor Schäden durch Abkühlung und Gefrieren schützen lassen.
Kryokonservierung
Ein Verfahren zur Aufbewahrung biologischen Materials bei sehr niedrigen Temperaturen, bei denen biologische und chemische Prozesse weitgehend zum Erliegen kommen.
Kryoprotektivum (CPA)
Eine chemische Substanz, die beim Abkühlen die Bildung von Eiskristallen im Zellinneren und in den Zellzwischenräumen verhindert oder verringert. Kryoprotektiva machen die Vitrifikation überhaupt erst möglich. Mehr dazu: wie Kryoprotektiva wirken.
Vitrifikation
Die Überführung biologischen Materials in einen glasartigen Zustand, ohne dass sich Eiskristalle bilden. So lassen sich eisbedingte Schäden weitgehend vermeiden. Deshalb setzt die moderne Kryonik auf dieses Verfahren. Mehr dazu: worin sich Vitrifikation und Einfrieren unterscheiden.
Perfusion
Das Durchströmen des Gefäßsystems mit Flüssigkeiten, etwa mit Kryoprotektiva, um das Blut zu ersetzen und das Gewebe während der Kryokonservierung zu schützen.
Stabilisierung
Zu den ersten Stabilisierungsmaßnahmen gehören eine rasche Kühlung, die Gabe von Medikamenten und die maschinelle Unterstützung des Kreislaufs. Diese Maßnahmen sollen die Zerfallsprozesse bremsen, bevor die Perfusion mit Kryoprotektiva beginnt.
SST (Stand-by, Stabilisierung und Transport)
Diese Einsatzphase beginnt, wenn der Tod eines Patienten in absehbarer Zeit zu erwarten ist. Das Team hält sich in unmittelbarer Nähe bereit. Nach der ärztlichen Todesfeststellung beginnt es sofort mit der Stabilisierung und bringt den Körper anschließend in die zuständige Einrichtung, wo die Perfusion und später die langfristige Lagerung erfolgen. Mehr dazu: warum Bereitschaft, Stabilisierung und Transport entscheidend sind.
Ärztlich festgestellter Tod
Der Zeitpunkt, zu dem eine Ärztin oder ein Arzt den Tod nach den in Deutschland geltenden medizinischen Kriterien feststellt. Kryonische Maßnahmen dürfen erst nach dieser Feststellung beginnen. Mehr dazu: das Todesverständnis der Biostase.
Klinischer Tod
Der vorübergehende Stillstand von Kreislauf und Atmung, der bei raschem Eingreifen, etwa durch Reanimationsmaßnahmen, unter Umständen umkehrbar ist.
Biologischer Tod
Das Stadium, in dem Zellen und Gewebe infolge des Sauerstoff- und Energiemangels irreversibel geschädigt werden.
Informationstheoretischer Tod
Der Zustand, in dem die für Erinnerungen und Persönlichkeit entscheidenden Strukturen des Gehirns so weit zerstört sind, dass selbst künftige medizinische Verfahren sie nicht mehr rekonstruieren könnten. Für die Kryonik ist daher nicht allein der ärztlich festgestellte Tod, sondern vor allem der informationstheoretische Tod maßgeblich.
Kryonik-Fenster
Die Zeitspanne zwischen dem ärztlich festgestellten und dem informationstheoretischen Tod. Innerhalb dieses Zeitfensters lassen sich Körper und Gehirn konservieren, sofern ihre Strukturen noch weitgehend erhalten sind.
Glasübergangstemperatur
Die Glasübergangstemperatur vitrifizierten Gewebes liegt bei etwa −130 °C. Unterhalb dieses Werts ist die molekulare Beweglichkeit äußerst gering. Das Gewebe befindet sich dann in einem glasartigen, strukturell weitgehend stabilen Zustand. Mehr dazu: warum die Lagertemperatur bei −196 °C liegt.
Flüssiger Stickstoff
Flüssiger Stickstoff ist Stickstoff im flüssigen Aggregatzustand. Gasförmiger Stickstoff macht rund 78 Prozent der Erdatmosphäre aus. Er ist farblos, geruchlos und nicht brennbar. Da flüssiger Stickstoff unter Normaldruck bei etwa −196 °C siedet, eignet er sich als Kühlmittel für die Langzeitlagerung.
Dewar-Gefäß
Ein vakuumisoliertes Gefäß, meist aus Edelstahl, in dem kryokonservierte Körper in flüssigem Stickstoff gelagert werden. Es hält den Wärmeeintrag gering und kommt ohne Stromversorgung aus.
Ischämie
Eine Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen, die eintritt, wenn der Blutfluss zum Stillstand kommt. Zugleich sammeln sich Stoffwechselabfälle an, und die Zellen nehmen fortschreitend Schaden. Für die Qualität der Konservierung ist entscheidend, die Dauer der Ischämie nach der Todesfeststellung möglichst zu begrenzen. Mehr dazu: wie die Ischämie die Kryokonservierung beeinflusst.
Neurokryokonservierung
Die Konservierung des Gehirns oder des gesamten Kopfes mit dem Ziel, die Strukturen zu erhalten, die Erinnerungen und Persönlichkeit zugrunde liegen. Mehr dazu: die Kosten von Ganzkörper- und Gehirnkonservierung im Vergleich.
Ganzkörperkonservierung
Die Konservierung des gesamten Körpers mit allen Organen und Geweben.
Toxizität der Kryoprotektiva
Zellschäden, die auftreten können, wenn Konzentration oder Einwirkzeit der Kryoprotektiva nicht sorgfältig gesteuert werden. Dabei gilt es, zwei Ziele gegeneinander abzuwägen: Die Konzentration muss hoch genug sein, um die Bildung von Eis zu verhindern, soll das Gewebe aber möglichst wenig schädigen.
Wiederbelebung
Ein bislang hypothetisches Verfahren, durch das ein kryokonservierter Mensch seine Körperfunktionen und sein Bewusstsein wiedererlangen könnte. Voraussetzung wäre unter anderem, dass sich die ursprüngliche Todesursache beheben oder behandeln ließe. Eine solche Wiederbelebung ist heute nicht möglich. Mehr dazu: warum eine Wiederbelebung bisher nicht möglich ist.
Wiedererwärmung
Das kontrollierte Erwärmen vitrifizierten Gewebes, ohne dass Risse entstehen oder sich Eiskristalle bilden. Die Wiedererwärmung zählt zu den größten noch ungelösten technischen Problemen auf dem Weg zu einer möglichen Wiederbelebung. Bilden sich beim Wiedererwärmen Eiskristalle, spricht man von Devitrifikation. Vermeiden lässt sich die Devitrifikation nur, wenn das Gewebe schnell und zugleich gleichmäßig erwärmt wird.
Kurz gesagt: Dieses Glossar erläutert die wichtigsten Begriffe der Kryonik, von Vitrifikation, Kryoprotektiva und Ischämie über Stand-by, Stabilisierung und Transport bis zum ärztlich festgestellten und zum informationstheoretischen Tod.
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