Manchmal heißt es, der Beitritt zu einer Kryonik-Organisation koste weniger als Netflix.
Ich verstehe, warum. Kryokonservierung klingt unbezahlbar teuer, und der Vergleich mit etwas Vertrautem lässt den Mitgliedsbeitrag erschwinglicher wirken.
Trotzdem sollten wir diesen Vergleich nicht mehr verwenden.
Wenn jemand nach den Kosten der Kryokonservierung fragt und wir nur den monatlichen Mitgliedsbeitrag von €50 nennen, erklären wir damit nicht, was die Kryokonservierung tatsächlich kostet. Wir haben eine andere Frage beantwortet.
Die Konservierung selbst kostet deutlich mehr. Das steht nicht nur im Kleingedruckten und sollte allen schon vor dem Beitritt klar sein.
Auch wenn wir die Kosten offen benennen, gibt es Grund zur Zuversicht. Mitgliedsbeitrag und Konservierungsgebühr werden unterschiedlich finanziert; die meisten Mitglieder müssen deshalb nicht schon heute €200.000 auf dem Konto haben.
Mitgliedsbeitrag und Konservierungsgebühr
Zunächst fällt der Mitgliedsbeitrag an.
In Europa kostet die Mitgliedschaft bei Tomorrow.bio derzeit €50 im Monat oder €500 im Jahr. Eine lebenslange Mitgliedschaft kostet €15.000, die später auf die Konservierungsgebühr angerechnet werden.
Mit dem Mitgliedsbeitrag wird die Einsatzbereitschaft bereits zu Lebzeiten des Mitglieds finanziert. Der Beitrag deckt die Aufnahme, die Vertragsabwicklung, die Verwaltung der Finanzierung und die Mitgliederbetreuung sowie die Vorbereitungen für einen möglichen Notfalleinsatz ab.
Mitglieder zahlen außerdem weniger für die Kryokonservierung. Eine Übersicht über die Leistungen und die derzeit angebotenen Mitgliedschaften findet sich auf der Mitgliedschaftsseite von Tomorrow.bio.
Hinzu kommt die Gebühr für die Kryokonservierung selbst.
Der aktuelle Mitgliederpreis liegt bei €200.000 für die Ganzkörper-Kryokonservierung oder €75.000 für die Konservierung nur des Gehirns. Die Gebühr wird fällig, sobald der Tod rechtlich festgestellt ist, und deckt die Kryokonservierung sowie die langfristige Lagerung ab.
Tomorrow.bio veröffentlicht die vollständige Aufschlüsselung auf der Kostenseite zur Kryokonservierung. Der Codex erklärt außerdem, warum Kryonik so teuer ist und wie sich die Beträge für Ganzkörper- und Gehirnkonservierung unterscheiden.
Das sind keine zwei Beschreibungen derselben Gebühr. Es sind zwei unterschiedliche finanzielle Verpflichtungen.
Wer die €50 als Kosten der Kryokonservierung angibt, nennt damit nur einen Teil der Gesamtkosten, als würde man bei einem Eigenheim nur die Versicherungsprämie angeben. Die kleinere Zahl stimmt. Sie umfasst aber nicht die gesamten Kosten.
Die hohe Konservierungsgebühr ist tatsächlich zu zahlen. Entscheidend ist aber auch, wie sie finanziert wird
Bei der Konservierungsgebühr kommt es zum umgekehrten Missverständnis.
Viele sehen €200.000 und nehmen an, Kryokonservierung sei nur etwas für jemanden, der diesen Betrag aus Ersparnissen überweisen kann. In unseren Mitgliederinterviews tauchte diese Annahme mehrfach auf.
Manche hielten Kryokonservierung zunächst für einen unerreichbaren Wunsch; erst als sie erfuhren, wie sich die Kosten finanzieren lassen, zogen sie sie ernsthaft in Betracht.
Die meisten Mitglieder von Tomorrow.bio nutzen eine Lebensversicherung. Die Versicherung wird zu Lebzeiten abgeschlossen und soll die Konservierung finanzieren, sobald der Tod rechtlich festgestellt ist.
Statt den hohen Betrag für die spätere Konservierung selbst anzusparen, zahlen die Mitglieder eine Versicherungsprämie aus ihrem laufenden Einkommen.
Die Gesamtkosten beschränken sich dadurch aber nicht auf €50. Die laufenden Kosten setzen sich aus Mitgliedsbeitrag und Versicherungsprämie zusammen.
Wie hoch die Versicherungsprämie ausfällt, lässt sich nicht pauschal seriös angeben.
Die Höhe der Versicherungsprämie hängt von Alter, Gesundheit, Raucherstatus, Beruf, Vertragslaufzeit und weiteren persönlichen Angaben ab. Zwei Personen, die dieselbe Versicherungssumme absichern möchten, können Angebote mit sehr unterschiedlichen Prämien erhalten.
Eine Risikolebensversicherung kann vergleichsweise günstig sein, da sie nur einen festen Zeitraum abdeckt. Mit dem Ende der Laufzeit endet auch der Versicherungsschutz; für die Zeit danach muss das Mitglied eine andere Finanzierung sicherstellen.
Eine Lebensversicherung mit lebenslangem Todesfallschutz gilt grundsätzlich bis zum Tod, sofern die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt und die vereinbarten Beiträge gezahlt werden. Sie kostet in der Regel mehr.
Das sind gewöhnliche Eigenschaften von Lebensversicherungen, keine Sonderregeln, die eigens für die Kryokonservierung erfunden wurden. Der britische Verbraucherdienst MoneyHelper erklärt die wichtigsten Policentypen und Preisfaktoren im eigenen Ratgeber zur Lebensversicherung.
Unser Artikel zu Risiko- und Kapitallebensversicherung erläutert, was bei der Wahl einer Versicherung zur Finanzierung der Kryokonservierung zu beachten ist.
Es lohnt sich, sich frühzeitig mit diesen Unterschieden vertraut zu machen. Der Preis der Konservierung ist einheitlich. Der Weg zur Finanzierung ist individuell.
Auch bezahlbare Kosten müssen langfristig tragbar sein
Wenn Mitgliedsbeitrag und Konservierungsgebühr geklärt sind, wünschen sich viele eine einfache Antwort auf die nächste Frage. Wie hoch sind die monatlichen Gesamtkosten?
Die Antwort lässt sich leider nicht pauschal geben: Die Kosten hängen von den persönlichen Voraussetzungen ab.
€50 fallen in manchen Haushalten kaum ins Gewicht, während andere dafür an anderer Stelle sparen müssen. Kommt eine individuell berechnete Versicherungsprämie hinzu, wird der Unterschied noch größer.
Deshalb stört mich der Netflix-Vergleich.
Er unterstellt, die Leserin oder der Leser habe dasselbe Budget, dieselben Prioritäten und Alternativen wie die Person, die den Vergleich zieht. Er erweckt den Eindruck, man müsse nur diszipliniert genug sparen, um sich Kryokonservierung leisten zu können.
Manche haben tatsächlich Spielraum im Budget und haben schlicht noch nicht entschieden, ob ihnen Kryokonservierung wichtig genug ist, um ihn zu nutzen. Wer diesen finanziellen Spielraum hat, kann selbst entscheiden, ob er ihn dafür nutzen möchte.
Bei manchen Menschen ist das verfügbare Geld bereits vollständig für Miete, Lebensmittel, die Versorgung der Kinder, die Tilgung von Schulden oder Gesundheitsausgaben verplant. Wer unter solchen Umständen empfiehlt, das Streaming-Abo zu kündigen, hilft bei der Finanzplanung nicht weiter.
Die Finanzierung muss auf Dauer mit den alltäglichen Ausgaben vereinbar sein.
Wenn jemand die Beiträge drei Monate lang zahlen kann, aber nicht drei Jahre lang, hilft ein niedriger Anfangsbeitrag nicht weiter. Ist der Versicherungsschutz abgelaufen, steht daraus für eine spätere Kryokonservierung kein Geld zur Verfügung.
Ziel ist nicht der Plan, der am günstigsten aussieht. Ziel ist eine Finanzierung, die auch bei absehbaren Veränderungen des Einkommens, des Gesundheitszustands oder der familiären Verpflichtungen tragbar bleibt.
Dazu kann es nötig sein, Versicherungsarten zu vergleichen, eine andere Form der Konservierung zu wählen, bei entsprechender Berechtigung eine ermäßigte Mitgliedschaft zu nutzen oder eine andere akzeptierte Finanzierungsquelle in Betracht zu ziehen.
Der klügste finanzielle Weg ist derjenige, der zur Person passt und im Ernstfall trägt. Die Finanzierung mit der niedrigsten Anfangsrate ist nicht automatisch die beste Wahl.
Die tatsächlichen Gesamtkosten nennen
Wir sollten zwei Dinge gleichzeitig sagen können.
Kryokonservierung ist teuer. Mehr Menschen können sie finanzieren, als die hohe Gebühr von €200.000 zunächst vermuten lässt.
Das ist kein Widerspruch.
Ein Mitglied zahlt die volle Konservierungsgebühr normalerweise nicht aus dem monatlichen Einkommen. Der Mitgliedsbeitrag finanziert die laufende Organisation und die Einsatzbereitschaft. Eine Versicherung oder eine andere anerkannte Finanzierungsmethode deckt die viel größere spätere Rechnung.
Manche Mitglieder regeln das schnell. Andere brauchen deutlich länger, um in ihrem Land eine passende Versicherung zu finden, die Fragen des Versicherers zur Risikoprüfung zu beantworten oder abzuschätzen, welche Beiträge sie dauerhaft zahlen können.
Die Erfahrungen aus unseren Interviews lassen sich nicht auf alle künftigen Mitglieder übertragen. Sie zeigen aber, warum die Angabe eines einprägsamen Monatsbetrags eine individuelle Finanzierungsplanung nicht ersetzen kann.
Wenn du dir den regulären Mitgliedsbeitrag nicht leisten kannst, sprich uns an. Wenn du Fragen zur Versicherung hast, können wir den Ablauf gemeinsam mit dir durchgehen.
Wenn die angebotene Versicherungsprämie für dich zu hoch ist, prüfe die Alternativen, bevor du Kryokonservierung für unbezahlbar hältst.
Der erste Schritt ist, die Finanzierung konkret zu planen, statt die Frage nach den Kosten auszublenden.
Ehrlich gesagt ist die vollständige Erklärung nicht kompliziert.
Die Mitgliedschaft kostet derzeit €50 im Monat, €500 im Jahr oder einmalig €15.000.
Für die Kryokonservierung zahlen Mitglieder eine gesonderte Gebühr von €200.000 für den gesamten Körper oder €75.000 für das Gehirn allein. Die meisten Mitglieder finanzieren diese spätere Gebühr über eine Lebensversicherung.
Wie hoch deine Versicherungsprämie ausfällt, hängt von deinen persönlichen Voraussetzungen ab.
Diese Antwort ist weniger eingängig als der Vergleich der Kryokonservierung mit einem Streaming-Dienst. Sie bietet aber eine deutlich bessere Grundlage für eine fundierte Entscheidung.
Wer die Kosten niedrig erscheinen lässt, schafft damit kein Vertrauen in die Kryokonservierung. Vertrauen entsteht, wenn die Gesamtkosten transparent sind und nachvollziehbar ist, wie sie sich finanzieren lassen.
Kurz gesagt: Für die Mitgliedschaft bei Tomorrow.bio fällt ein Mitgliedsbeitrag an. Für die Kryokonservierung fällt eine separate Gebühr von €200.000 für den gesamten Körper oder €75.000 für das Gehirn allein an; die meisten Mitglieder finanzieren diese Gebühr über eine Lebensversicherung. Die tatsächlichen monatlichen Kosten hängen deshalb von der Person und ihrem Finanzierungsplan ab.
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