Einschränkungen und Herausforderungen

Warum können wir einen Menschen nicht lebendig kryokonservieren?

Es gibt zwei Gründe, warum man nicht zu Lebzeiten eingefroren werden kann: Erstens wäre das Mord, und zweitens würde dich der Vorgang selbst töten. Kryoprotektiva sind bei warmen Temperaturen giftig.

Das ist eine naheliegende und berechtigte Frage: Wenn Geschwindigkeit so wichtig ist und der Kampf gegen den Zellverfall in dem Moment beginnt, in dem das Herz aufhört zu schlagen, warum fängt man dann nicht schon früher an? Warum konserviert man jemanden nicht, solange er noch lebt, bevor überhaupt ischämische Schäden auftreten? Dafür gibt es zwei Gründe, die sich gegenseitig verstärken. Der eine ist rechtlicher Natur. Der andere ist biologischer Natur und wäre für sich genommen schon ausschlaggebend.

Eine lebende, aufrecht stehende menschliche Figur hinter einem zartroten „Durchgestrichenes Kreis“-Verbotszeichen, neben einem kleinen Richterhammer, was darauf hindeutet, dass es sowohl tödlich als auch rechtswidrig ist
Du kannst nicht am Leben erhalten werden: Das wäre Mord, und der Eingriff selbst wäre tödlich.

Der rechtliche Grund

Die Kryokonservierung kann erst beginnen, nachdem der rechtliche Tod festgestellt wurde. Den Vorgang bei einer lebenden Person einzuleiten, wäre Mord, Punkt. Das ist keine bürokratische Formalität, die ein schlauer Anbieter umgehen könnte; es ist die klare Grenze, die Medizin vom Töten trennt, und eine seriöse Organisation hält sich davon fern. Dieselbe Einschränkung zeigt sich als das Paradoxon des rechtlichen Todes im Wettlauf gegen den Verfall: Der ideale biologische Zeitpunkt für den Beginn ist genau der, den uns das Gesetz zu Recht verbietet.

Der biologische Grund

Selbst wenn man das Gesetz einmal außer Acht lässt, würde das Verfahren an sich einen lebenden Menschen töten. Um die Vitrifikation zu erreichen, wird der größte Teil des Wassers im Körper durch Kryoprotektiva ersetzt. Bei warmen, lebenden Temperaturen sind diese Mittel giftig. Deshalb werden sie kalt in einen Körper perfundiert, der bereits auf nahezu 0 °C abgekühlt ist, was ihre chemischen Reaktionen ebenso wie alle anderen Vorgänge verlangsamt. Diese Temperatur ist an sich schon unvereinbar mit einem schlagenden Herzen, sodass der Zustand, der die Perfusion mit Kryoprotektiva erst möglich macht, keiner ist, in dem sich ein lebender Mensch befindet. Sie sind nur bei kryogenen Temperaturen sicher, bei denen alle chemischen Vorgänge, einschließlich ihrer Toxizität, zum Stillstand kommen. Einen lebenden Körper also mit ihnen zu perfundieren und ihn anschließend auf Glaskühlung abzukühlen, ist mit den derzeitigen Mitteln kein überlebensfähiger Prozess. Genau das macht die Konservierung möglich, und genau das macht sie mit dem Leben unvereinbar.

Das ist auch der Grund, warum die Wiedererwärmung eines der zentralen ungelösten Probleme auf diesem Gebiet ist. Genau jene Toxizität, die die Erhaltung des Lebens unmöglich macht, müsste beim Auftauen sauber rückgängig gemacht werden – und genau das ist einer der Gründe, warum eine Wiederbelebung derzeit nicht möglich ist. Forscher arbeiten daran, die Toxizität der Kryoprotektiva zu verringern und schließlich zu neutralisieren, aber das ist ein langer Weg und kein gelöstes Problem.

Man kann aus zwei Gründen gleichzeitig nicht lebend kryokonserviert werden: Rechtlich gesehen gilt das als Totschlag, und biologisch gesehen ist es tödlich. Die Kryokonservierung ist ein Verfahren, das erst nach dem rechtlichen Tod durchgeführt wird – sie ist kein Ersatz dafür, am Leben zu bleiben.

Vielleicht wird es in ferner Zukunft, wenn Wiederbelebung und sanfte Wiedererwärmung zur Routine gehören, tatsächlich eine echte medizinische Option sein, einen lebenden Patienten am Leben zu erhalten. Solange diese Technologie jedoch noch nicht existiert, würde ein solcher Versuch einfach den sicheren Tod bedeuten, statt eine Chance auf Überleben zu bieten. Vorerst ist die ehrliche Haltung die vorsichtige: Wir warten auf den rechtlichen Tod und handeln dann so schnell, wie es die Zeit erlaubt.

Weiterführende Literatur